Interview

Baby-Boom im Blogger-Land

This is Jane Wayne zählt zu den bekanntesten Modeblogs Deutschlands – als Mitgründerin Nike van Dinther im September ihren Sohn Lio zur Welt gebracht hat, war das Interesse der Leserschaft groß. Die Folge: In Kürze wird der Unterblog TINY JANE gelauncht 

 

In einem ausführlichen Interview haben wir mit Nike von This is Jane Wayne über ihr neues Projekt gesprochen und nachgefragt, wie sie alles unter einen Hut bekommt - das haupberufliche Bloggen, das Mamasein und die Privatsphäre...

 

Euer großes Projekt 2015 heißt  „Tiny Jane", ein neuer Unterblog auf Eurer Seite. Was genau erwartet Eure Leser in dieser Kategorie?

 

Nicht nur Schönes, sondern auch Informatives. Als Redakteurin wird meine Hebamme Jule Pumpe uns unterstützen, sie war und ist sozusagen ein Goldfund, wunderbar echt und schlau und liebenswert. Noch dazu hat sie selbst drei Söhne und kann somit geradewegs aus der Kinderkotze-Zentrale berichten. Natürlich wird sich der neue Unterblog für Mamas, Papas und die Kleinen auch um das Thema Mode- und Interior-Shopping drehen, aber vor allem sollen hier Tipps, Tricks und persönliche Anekdoten zu finden sein. Ein Blog mitten aus dem Leben eben, einer, der sich traut, auch über den hippen und glatt gestriegelten Tellerrand hinaus zu schauen.

 
War für Dich und Deine Blog-Partnerin Sarah von Anfang an klar, dass Ihr Eure Themen um Baby-Themen erweitern werdet? Welches Feedback bekommt Ihr von den Lesern?
 
Das war überhaupt kein bisschen klar, ganz im Gegenteil - ich hatte mir eher vorgenommen, den ganzen Kinderkram komplett außen vor zu lassen. Aber Pustekuchen! Das Mamasein ist jetzt schließlich ein großer Teil von mir, da verschieben sich nunmal auch die Interessen, was wichtig ist und schön. Die Erweiterung um Tiny Jane ist, aus der Sicht eines relativ persönlichen Blogformats, also nur die logische Konsequenz. Und außerdem fehlt mir selbst so eine richtig gute Anlaufstelle für diverse Fragen. Foren sind die Hölle, aber mich interessiert eben nicht nur, welche Deko man für einen Minigeburtstag kaufen kann, sondern auch, was man überhaupt anstellen soll an so einem wichtigen Tag. Unsere Leser wachsen ja irgendwie mit und sind sowieso sehr klug und aufgeschlossen. Bisher hat sich jedenfalls noch niemand über Ausflüge in die Welt des Mamaseins beschwert.

 

 

Du bloggst hauptberuflich und hast daher kurz nach der Schwangerschaft wieder angefangen zu schreiben. Wie müssen wir uns Deinen neuen Arbeitsalltag vorstellen?
 
Ziemlich verrückt und anstrengend. Nach außen wirkt ja immer alles so fürchterlich lockerleicht. Aber natürlich ist es hart, zwei Wochen nach der Geburt Deines eigenen Kindes quasi wieder voll zu arbeiten. Doch ich konnte nicht anders - es macht ja auch alles großen Spaß. Jetzt sitze ich also in jeder Minute, in der Lio tagsüber ein Nickerchen hält, vor dem Bildschirm. Ansonsten krabble ich über den Boden, erzähle Witze, spiele Flugzeug und wechsle Windeln. Mittags gibt’s ein Lunchdate mit meiner Blog-Partnerin Sarah Jane und Freunden, damit wir alle, auch Lio, genug Frischluft abbekommen. Der Rest der Arbeit wird dann nach 20 Uhr erledigt. Hier bin ich nämlich ein mordsmäßiger Glückspilz: Mein Sohn schläft neun Stunden lang wie ein Stein. Und zwar genau ab 20 Uhr, pünktlich wie eine Eieruhr. 
 
Hast Du Dir eine Grenze gesetzt, wie viel Persönliches du über die Schwangerschaft, das Mamasein und Lio auf dem Blog erzählen möchtest und was nicht auf dem Blog stattfinden soll? 
 
Aber na klar! Es fällt bloß etwas schwer, diese Grenze in Worte zu fassen. Das Ganze passiert nämlich eher aus dem Bauch heraus. Ich halte es im Grunde wie mit allen anderen Texten auf dem Blog auch: Ich teile gerne Anekdoten, Gefühle und Gedanken. Aber niemals welche, die wirklich weh tun könnten, oder solche, die nur den innersten Kreis angehen. Und das Gesicht meines Sohnes ist tabu - spätestens seit jeder Fünftklässler weiß, wie man Pferdeköpfe via Photoshop auf Menschenkörper setzt. Und das Vermarkten meines eigenen Kindes - das würde ich mir niemals verzeihen! Ganzkörper-Outfitposts zum Beispiel fallen bei mir in die Kategorie „Tabu". Was viele nämlich vergessen, ist, dass das Internet nicht vergisst. Am Ende hätte Lio dann vielleicht den Salat - Kinder können doch so grausam sein. Und was, wenn irgendein fieser Klassenkamerad irgendwann die alten Bilder herauskamt und sagt: "Haha, deine Mama hat dich früher angezogen wie einen Rentner"?!
 
Würdest Du sagen, dass das Mamasein Deinen persönlichen Stil verändert hat?
 
Oh ja. Ich trage jetzt saure Milch als Accessoire. Ansonsten empfehle ich jeder Frau, die an ihrem Stil zweifelt, eine Schwangerschaft, wirklich wahr. Ich glaube, ich war noch nie so sehr mit mir und meinem Geschmack im Reinen. Die Kombination aus "Das muss jetzt aber irgendwie auch gemütlich sein!" und diesem wiederentdeckten Spaß an der eigenen Weiblichkeit, am Frausein, der sich da plötzlich bei mir breit gemacht hat, ist meines Erachtens eine ganz wunderbare Kombination. Roter Lippenstift zu Turnschuhen, ein edler Mantell zum Sweatshirt, die dicke Strickmütze zur Bluse – irgendwie sehr nonchalant.

 

 
Hat sich auch Dein Blick auf die Modewelt verändert?
 
Ich würde gerne sagen „Oh ja, ich bin noch kritischer geworden und ja, Mode ist mir ein bisschen egal geworden", aber nein. Ich bin ja noch immer ganz und gar ich, ganz die Alte! Daran ändert auch ein neuer Wundermensch in meinen Leben nichts. Ich habe sie tatsächlich schon immer geliebt, diese wahnwitzige Mode, die eigentlich so angenehm überflüssig ist. 
 
Folgst Du anderen Müttern aus der Blogosphäre oder liest Du typische Mama-Blogs? 
 
Für mich ist das alles noch komplettes Neuland, und es gibt, pardon, auch wirklich so verrückten Quatsch da draußen, dass mir manchmal das Gehirn weh tut vom Lesen. All die erhobenen Zeigefinger, dieses Empfindliche, wenn es um Kinder geht, das ertrage ich nur schwer. Ich folge tatsächlich nur dem Mummy Mag und Little Years. Auf Instagram staune ich außerdem stets über das wunderschöne Zuhause von Mama Watters.
 
 
Vielen Dank für die Antworten, liebe Nike!

 

 

Interview: Katharina Charpian

Fotos: Nike van Dinther