Gruß aus...

Indien

Die Teppich-Entwürfe von Carolin Fieber, Creative Director bei Bretz, werden mit größter Sorgfalt in Indien von Hand produziert. Nun machte sich die junge Designerin auf zu einer Reise zu den Produktionsstätten ihrer Arbeit. Für COUCH hielt sie ihre Eindrücke in einem Fototagebuch fest.

Zu Beginn meiner Reise habe ich nur eine grobe Idee wie die diesjährigen Teppiche eigentlich aussehen sollen: Ein bisschen ethno, ein wenig traditionell angehaucht aber alles modern interpretiert. Farben habe ich im Vorfeld ausgewählt und in Form von kleinen Stoffschnipseln und Pantone Fächern in den Koffer gepackt.
 

Vor meinem Trip nach Delhi (wo das eigentliche Entwickeln stattfindet) zieht es mich in Richtung Himalaya. Dort grenzt Indien u.a. an Nepal und Tibet. Verschiedenen Stile treffen aufeinander, viel Farbe und Mustermix. Es ist toll das Arbeiten mit dem Reisen zu verbinden, es inspiriert und bereichert auch enorm privat.

 

DARJEELING

 

Meine erste Station ist eine Teeplantage in der Nähe von Darjeeling. Hier darf ich Gast bei einem echten Tea Manager sein. Außer Tee, Natur und gute Luft ist hier absolut nichts (noch nicht mal Internet). Perfekt zum Abschalten und Gedanken sortieren. Um eine Idee zu finden ist es oft gut, erstmal alles andere auszublenden und für sich zu sein.

 

 

Die mühevoll und sehr akkurat angepflanzten Teesträucher könnten doch auch fast Vorlage für einen tollen Teppich sein. Großartige Textur! Das feuchte Klima lässt die Umgebung ein wenig mystisch erscheinen.

 

 

Bei einer Teeprobe, die übrigens fast wie eine Weinprobe abläuft (riechen, schlürfen und schließlich ausspucken), lerne ich, dass Darjeeling Tee von guter Qualität recht hell ist und auf keinen Fall dunkelbraun bis schwarz. Welche Qualität in einem herkömmlichen Teebeutel steckt, erzähle ich besser gar nicht. Ich habe für mich beschlossen, nur noch im Notfall Teebeutel zu verwenden.

 

 

Die Blechboxen in denen der Tee aufbewahrt wird, sind toll. Könnte ich mir gut als dekorative Kiste in der Wohnung vostellen. Die leeren, geschichteten, weißen Teesäcke gefallen mir auch. Dafür ist mir allerdings kein Verwendungszweck eingefallen.

 

 

Die Teepflückerinnen haben eine neue Kollegin. Ich stelle aber sehr schnell fest, dass ich nicht im Ansatz die gleiche Geduld habe und außerdem viel zu langsam bin. Es werden nur die Spitzen eines Triebes geerntet und alles per Hand. Pro Tag schafft es eine Pflückerin einen kompletten Korb zu füllen. Ich bringe es in meinen 15 Minuten gerade mal zu drei Spitzen.

 

DARJEELING CITY

 

 

In einem charity Laden ein wenig ab von der Touristenmeile kaufe ich mir eine handgefertigte Tasche mit kontrastreichem Muster für umgerechnet etwa vier Euro. Könnte eventuell für meinen Teppich hilfreich sein, ist aber auch so sehr schick.

 

Die sogenannte TOYTRAIN ist zu Kolonialzeiten erbaut worden und immer noch im Einsatz.

 

SIKKIM

 

Die Reise geht weiter nach Sikkim, ein altes Königreich, das früher eigenständig war, heute aber zu Indien gehört. Man merkt hier sehr stark die Nähe zu Nepal. Die Leute sehen asiatischer aus, die Kleidung und Textilien sind anders und das Essen weniger curry-lastig. Sikkim ist eine der am stärksten buddhistisch geprägten Regionen Indiens. Ansonsten findet man weitgehend Hinduisten.

 

 

Bunte Textilkultur

 

Die bunten Mantras auf den Gebetsmühlen sollen durch das Drehen in die Welt verteilt werden. Ein ähnlicher Gedanke steckt hinter den an Zweigen befestigten Glocken. Ich mag dieses dynamische Ritual und lege selbst Hand an.

 

 

Eines meiner absoluten Highlights sind die farbenfrohen und wie ich finde sehr dekorativen Gebetsflaggen, die fast überall zu sehen sind. Ähnlich wie bei den Gebetsmühlen, sollen hier Mantras durch die Bewegung des Windes in die Welt gepustet werden.

 

Bauernhof-Feeling auf indisch

 

Räumlich ist das ganze zwar groß und eindrucksvoll, aber auf eine sehr fröhliche, leichte Art und Weise. Das mag ich. Ich könnte mir sogar einen kompletten Messestand mit einem ähnlich wild angeordnet textilen Konzept vorstellen.

 

 

Die "Lotus Bakery" am Fuße eines Tempels. Hier gönne ich mir eine einheimische Spezialität: Momos (ein bisschen wie Maultaschen) mit einer sehr scharfen Suppe.

 

Traditional Style & Tolle Muster

 

 

Techno-Ethno! TOPIs haben es mir angetan. Dieser Herr besitzt das schönste Exemplar. Ich kaufe mir auch so einen Hut. Ein Teppich im TOPI-Stil fände ich super.

 

Maxiskirts mit floralen Mustern, rot und pink in Kombination und turbanartige Kopftücher: Man könnte meinen, diese alten Damen seien auf Fashionblogs zuhause.

 

 

Zu Besuch in einer Kunstschule. Die Mädchen lernen gerade das traditionelle Teppichknüpfen.

 

DEHLI

 

 

Endlich In Delhi angekommen, es sind "luftige" 46 Grad, wesentlich heißer als in der Himalaya-Region. Das wird ein Spaß. Mein Hotel "Justa the Residence" ist dafür aber sehr gemütlich und es gibt endlich wieder Internet. Unglaublich, wie abhängig man heutzutage ist...

 

 

Im NAMCHE BAZAAR, einem nepalesisch-indischen Restaurant, kommt Sikkim-Fernweh auf.

Zugegeben, indisches Essen sieht oft etwas fragwürdig aus. Das liegt wohl an Farbe und Konsistenz. Geschmacklich ist es jedoch unbeschreiblich gut.

 

MEIN ARBEITSPLATZ

 

 

Es geht los: Viel Nachdenken, zeichnen, Farben auswählen.

 

 

Die Qual der Wahl

 

 

Das Wollelager ist riesig. Es gibt so viele Farben, trotzdem ist oft nicht genau das dabei, was man sucht. Meistens wählt man am Anfang zu farbintensiv aus, weil die Farbe für sich stehend schöner aussieht. Eine falsche Farbe kann den kompletten Teppich ruinieren!

 

 

Beim Arbeiten kann ich nebenher zusehen, wie andere Teppiche für Kunden produziert werden. ROSEPIXEL haben wir vor drei Jahren in den gleichen Hallen entwickelt. Die Fertigung ist ein bisschen wie Malen nach Zahlen. Das Design wird aufgezeichnet und jede Farbe hat eine Nummer. ROSEPIXEL ist ein komplett handgetafteter Teppich. Jedes Farbfeld wird mit einem Wollfaden auf der Rückseite "ausgemalt". Der struppige Wollflor auf der Vorderseite wird im Anschluss in Form gestutzt.

 

 

Hier wird unsere Teppich DRAGONFLY mühevoll mit Scheren bearbeitet.

 

Farbe ist nicht gleich Farbe

 

 

Mit den Färbern lache ich viel. Das eingefärbte Garn wird in der Sonne getrocknet. Das geht schnell bei diesen Temperaturen... ich gehe ein!

 

Zum Abkühlen trinke ich heißen CHAI (schwarzer Tee mit Ingwer, Kardamon, Chili, Milch und viel Zucker). Im Ernst, der Gewürztee hilft irgendwie. Gepaart mit guter Musik im Ohr ist das alles gar nicht so schlimm. Gerade läuft von Bodi Bill "Brand New Carpet" - passt doch.

 

Während erste Muster erstellt werden, ist Zeit ein wenig in die Stadt zu gehen. Einige Eindrücke:

 

 

Bunte Trucks, im Weg stehende Kühe und Kokosnüsse am Straßenrand

 

 

Dilli Haat Bazaar mit lauter bunten Nettigkeiten

 

 

Old Delhi Town und Red Fort

 

Letzte Änderungen

 

 

Im Office in Delhi werfe ich einen Blick auf die ersten gefertigten Muster, wir besprechen Änderungen und legen fest, was wir nun wie machen. Wenn alles gut geht, wird es drei bis vier neue Teppiche geben. Einer davon heißt TOPI, weil er seinen Ursprung in den lustigen Nepali Hüten hat. Ich freue mich schon, die fertigen Produkte bald unter den Füßen zu spüren.

 

 

Vor meinem Rückflug, der recht spät geht, bleibt Zeit für ein Konzert auf der Dachterasse der Mega Mall. Die Band heißt SOULMATE. Die Sängerin wird nicht ohne Grund die Janis Joplin von Indien genannt. Ein toller Abschluss meiner Reise.

 

Zu Bestaunen gibt es die Teppich-Entwürfe von Carolin Fieber auf www.bretz.de.

 

 

Text & Fotos: Carolin Fieber