Buch-Tipp

"Kuckucksmädchen" von Eva Lohmann

Charmant, schlau und scharf beobachtet - so schreibt Eva Lohmann in ihrem zweiten Roman über die Irrungen und Wirrungen des Zusammenziehens. Im Interview verriet uns die Autorin wie sie selbst über ein geteiltes Zuhause, Lieblingsorte und Wohnbuchstaben denkt.

Liebe Frau Lohmann, in Ihrem zweiten Roman schicken Sie Ihre Protagonistin Wanda auf eine Reise durch die eigene Vergangenheit – und in die Wohnungen ihrer Ex-Freunde. Glauben Sie, man kann von der Einrichtung eines Menschen auf dessen Charakter schließen?
Davon bin ich fest überzeugt. Ist die Einrichtung protzig, angepasst oder auch völlig uninspiriert? Dekoriert jemand mit Liebe zum Detail? Oder hängen an den Wänden vornehmlich Bilder, die man im Dreierset im Baummarkt bekommt? Wenn ich eine neue Wohnung betrete, sauge ich solche Details in mich auf, ich kann gar nicht anders. Noch interessanter wird es, wenn man wie Wanda in die Wohnungen kommt, in denen die Exfreunde mit ihren neuen Frauen zusammen wohnen: Versucht das Paar, nach außen ein bestimmtes Bild von sich zu vermitteln? Wieviel Platz hat sie für seine Sachen gelassen? Harmonieren die Möbel miteinander oder sieht man, dass hier ein Bauhausfan mit einer Shabbyshickanhängerin zusammengezogen ist? Sowas kann manchmal ganz schön clashen.

 

Das Bett spielt für Wanda im Roman eine wichtige Rolle – warum eigentlich gerade dieses Möbel?
Weil es meiner Meinung nach das wichtigste Möbelstück einer alleinlebenden Frau ist. Wenn man nach einem stressigen Tag nach Hause kommt, kann man sich dort einigeln und den Rest des Lebens von dort aus erledigen. Telefonieren, Lesen, Filme schauen, Schokolade essen, - sogar wenn wir abends noch weiter arbeiten müssen, fühlt sich das vom Bett aus irgendwie weniger schlimm an. Und wenn es dann noch mit vielen Kissen und gestärkter, weißer Bettwäsche ausgestattet ist, kann ich meine Heldin gut verstehen, wenn sie sagt: "Ich mag das Gefühl, morgens in einem Berg aus frisch geschlagener Sahne aufzuwachen."

 

Haben Sie denn selbst einen Ort, an dem Sie besonders gut schreiben können?
Dreimal dürfen Sie raten...

 

Beim Lesen stolpert man durch so manche Altbauwohnung. Was glauben Sie - Wieso sind die in Großstädten gerade so begehrt?
Das ist eine Frage, die sich auch Wanda immer wieder stellt. Warum muss es immer Altbau sein, warum immer geschliffene Dielen, hohe Wände, Stuck? Vielleicht liegt es daran, dass ein Großteil von uns in einer ziemlich gegenteiligen Umgebung aufgewachsen ist. Vielleicht wollen wir uns von unseren Eltern abgrenzen. Dazu kommt, dass wir anscheinend alle versuchen, uns ein bisschen Bullerbü nach Hause holen. Wiesenblumen auf dem Tisch, bunte Stühle drum herum und eben auch die heißgeliebten Holzdielen. Für den Kontrast werden dann zwei Industriehängeleuchten über den Esstisch gehängt. Und dann freuen wir uns und denken, wir wären individuell. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wir folgen auch nur einem Trend. An einer Stelle in meinem Buch dagt Wanda: "Geschliffene Altbaudielen sind das Eiche Rustikal unserer Generation."

 

EVA LOHMANN: Autorin und Einrichtungsprofi

 

Sie sind Inneneinrichterin und kennen sich prima mit Design und Einrichtungen aus. Wie dürfen wir uns Ihre eigene Wohnung vorstellen?
Obwohl ich mich manchmal darüber lustig mache, hebt sich meine Wohnung warscheinlich nicht so wahnsinnig von der Masse ab. Auch ich bin nicht gefeit vor den eben beschriebenen Industrielampen. Wir haben zwei Stück im Wohnzimmer hängen und ich liebe sie. Trotzdem hinterfrage ich oft die Dinge, die ich für die Wohnung kaufe: Finde ich das wirklich schön, und wenn ja, warum finde ich es schön? Vielleicht einfach nur weil ich es oft genug in Einrichtungsmagazinen und anderen Pärchenwohnungen gesehen habe? Und vor allem: Wie lange finde ich das noch schön? Eine Zeit lang konnte man sich in Hamburg nicht mehr retten vor Wohnungen im dänischen Landhausstil – nun werden all die gebeitzen Möbel Stück für Stück wieder entsorgt. Ich frage mich schon jetzt, was unsere Enkel eines Tages über die tausenden und abertausenden Wohnbuchstaben sagen werden, die wir momentan so zusammentragen.

 

Im Roman geht es viel um die Themen Zusammenziehen und gemeinsame Einrichtung. Sie als Einrichtngsprofi - Was darf in der ersten gemeinsamen Wohnung auf keinen Fall fehlen und was geht gar nicht?
Ich glaube, dass eine gemeinsame Wohnung in erster Linie Zeit braucht. Sie muss wachsen und sich entwickeln können. Auf keinen Fall sollte man am Anfang sofort die komplette Einrichtung neu kaufen. Lieber abwarten, was passiert, wenn die verschiedenen Möbel in der neuen Wohnung aufeinandertreffen. Es ist ein großartiges Gefühl, festzustellen, dass ihre geerbte Jugendstilkommode und sein Designersessel so wunderbar zusammen passen, als hätten sie ein Leben lang aufeinander gewartet. Was gar nicht geht? Wenn der Partner zu viele Erinnerungsstücke an die letzte Liebe in der Wohnung verteilt. Alte Beziehungskisten gehören auf den Dachboden.
 

Eva Lohmann
"Kuckucksmädchen"

Piper Belletristik
Preis: 16,99 Euro
ISBN 9783492055468
Zum Verlag (mit Online-Shop):
www.piper-verlag.de