Trend

Supper Clubbing

Essen wird immer mehr zum Event, Pop-up-Restaurants und Supper Clubs sprießen aus dem Boden. Hat nun der klassische Restaurantbesuch ausgedient? COUCH sprach mit dem irisch-kanadischen Pärchen Kristi und Dave vom Supper Club "Zuhause Berlin" über Zukunftstrends

Was meint ihr: Warum lieben die Leute euren privaten Supper Club "Zuhause Berlin"?
Die Leute kommen, weil sie etwas Neues, Besonderes suchen. Jeder liebt doch das Gefühl, etwas für sich zu entdecken und im Moment sind Supper Clubs einfach noch ein Underground-Trend - viele Menschen haben noch nie von dem Konzept gehört oder es wirklich gerade erst kennengelernt.

 

 

Wonach genau suchen sie denn?
Der Wunsch, gutes Essen und guten Wein zu genießen, treibt die Leute zu uns. Wir haben einen Weg gefunden, Gleichgesinnte zusammen zu bringen, ob es ein allgemeines Interesse an Essen ist oder die spannenden Charaktere, die so ein Event vereint. Am Ende sind es doch immer die guten Gespräche, die den Abend ausmachen - egal wie gut das Essen ist.

 

Mit welchen Erwartungen kommen die Gäste zu euch?
Mit gar keinen! Die meisten klopfen an unsere Türe und haben keine Ahnung, was auf sie zukommt. Das ist sehr aufregend für beide Seite, für uns und unsere Gäste. Viele verlassen unseren Supper Club mehr als überrascht. Ich glaube, das macht uns daran am meisten Freude: Den Gästen eine Nacht zu bescheren, die sie so nicht erwartet hätten.

 

 

Könnt ihr im Bereich Food einen Trend ausmachen?
Supper Clubs sind aktuell ein starker Trend, der aber schon seit ein paar Jahren immer wieder auftaucht. Vielleicht ist es der Verlust unserer Generation an dem traditionellen, gemeinsamen Familienessen - aber den Menschen gefällt weiterhin die Idee, mit Freunden und auch mit Fremden zusammen zu essen. Viele Trends zielen darauf ab, Menschen zusammen zu bringen, sei es mit temporären Pop-up Restaurants oder durch die Gründung von Koch-Clubs, wo Amateure und Enthusiasten aufeinander treffen und Tipps und Rezepte tauschen. Es gibt auch immer mehr neue Webseiten wie zum Beispiel "Kitchen Surfing", über die Köche gemietet werden können. Sie bringen quasi den Supper Club in fremde Küchen, es ist, als würde man einen Privatkoch engagieren, nur weniger förmlich.

 

Wie werden Menschen in Zukunft essen?
In der Art und Weise, wie Menschen Lebensmittel verstehen, ist eine deutliche Veränderung zu spüren. Nachhaltigkeit und Ethik bekommen einen immer größeren Raum in der Lebensmittel-Industrie. Das führt zu einem besseren Verständnis von Qualitätsessen. Die Menschen sind weniger besorgt über Kalorien und Fettgehalt und befassen sich mehr mit dem großen Ganzen: Wie werden die Lebensmittel hergestellt? Unter welchen Bedingungen? Woher stammen die Zutaten? Wir bekommen solche Fragen mehr und mehr gestellt, darüber sind wir sehr froh. In unserem "Zuhause" verwenden wir biologisch angebaute Lebensmittel aus der nahen Umgebung und Fleisch von freilaufenden Tieren, wann immer es möglich ist.

 

 

Könnt ihr eine Veränderung in den Essgewohnheiten feststellen?
Die Menschen werden definitiv probierfreudiger! Ich glaube, Essen ist inzwischen weniger Nahrungsaufnahme und mehr Event geworden. Deshalb haben die Leute auch mehr Lust, Neues auszuprobieren. In unserem Supper Club versuchen wir immer, uns das Vertrauen der Gäste zu erarbeiten, indem wir unser Menü mit beliebten, bekannten Aromen beginnen. Erst dann servieren wir Etwas, was die Wenigsten jemals probiert haben. Es gibt nichts Schöneres, als zwölf Gästen Hirsch-Tartar zu servieren, die noch nie Wild gegessen haben, und dann die aufgeschleckten Teller zurück zu bekommen!

 

Und was kommt demnächst alles auf den Tisch?
Neue, untypische Geschmackskombinationen genauso wie eine Vielzahl neuer Konsistenzen, die durch die Molekularküche entstehen. Wenn es um moderne Küche geht, gibt es keine Limits - zur Freude aller Feinschmecker.

 

 

ZUHAUSE BERLIN

Kristi und Dave - sie Grafikdesignerin, er Koch - bewirten in ihrer Kreuzberger Wohnung regelmäßig bis zu zwölf Personen. Der Sommer ist bereits ausgebucht. Mehr Infos zum privaten Supper Club "Zuhause" gibt's unter www.zuhauseberlin.com.
 

Interview: Annika Kapischke
Bilder: Alexavachon.com/blog